THEATER 

 

Nicht die Schauspielkunst stand bei dieser Veranstaltung im Vordergrund, obwohl Ute Hoffmann und Thomas Hassler überzeugend spielten, sondern die hervorragende Sprechkunst der beiden und der gelungene Einsatz sprachlicher Feinheiten. Viele der 70 Gäste hatten das Buch gelesen und konnten sich zu Beginn des Theaters eigentlich nicht so recht vorstellen, dass man die Geschichte spannend und abendfüllend umsetzen kann. Eine Geschichte, in der sie (Emma) schon einen Mann hat, aber mit einem anderen (Leo) in intensivem Mailkontakt steht, sich sogar immer mehr in Gefühle zu einem Unbekannten verstrickt, wie soll das nur ausgehen?  

 

Angefangen hat es ja harmlos, wie so oft im Leben, rein zufällig. Emma will nur ihr Zeitschriftenabo kündigen, gerät aber, wie auch immer, in den Mailaccount eines ihr unbekannten Professors. Sie reagiert hässig, er genervt, und sie schicken sich gegenseitig nicht unintelligente Kommentare, welche gleichzeitig herausfordern und die Neugierde wecken. 

 

Bald wird es persönlicher. Sie verrät ihm, was für Schuhe oder Pyjamas sie trägt und schickt ihm auch gleich Fotos davon. Sie erzählen einander von schicksalhaften Lebensmomenten und verflossenen Lieben. Man beginnt sich zu mögen und nach längerer Mailpause zu vermissen. Eine surreale Form von Liebe! Sogar virtuelle Eifersucht wird ein Thema. Doch er beruhigt sie: „Uns beide gibt es nur für uns beide.“ Aber eben, sie ist leider verheiratet, und so kommt es zu keinem realen Treffen.  

 

Nun bekommt ihr Mann Wind von der Sache und schaltet sich ein. Er ermuntert seine Frau zu einer Zusammenkunft mit ihrem virtuellen Freund, denn nur dann könne er sich als ihr Mann mit seinem „Gegner“ messen und ihn bekämpfen, wohingegen er gegen einen rein virtuellen Gegner keine Chance habe. Schliesslich sagt sie zu, Leo zu sehen. Sie vereinbaren Ort und Zeit. Beide freuen sich wie kleine Kinder und fiebern dem Treffen entgegen. Er hat alles schön vorbereitet, wartet, aber sie kommt nicht. Er meldet seine Mail-Adresse ab und reist für zwei Jahre beruflich nach Boston. Sie hören nie wieder voneinander. 

 

Vielleicht könnte man als Zuschauer nun enttäuscht sein ob der unerfüllten Liebe, trotzdem ist es ein wohltuendes Ende. Wer weiss, wohin das alles noch geführt hätte... 

 

Rosi Roeschli für WuK Wängi 

    Gut gegen Nordwind – 28. April 2012