Fast vier Jahre brauchten sie für ihre Reise um die Welt, mit Planung sogar sechs. Stellvertretend für die Sehnsüchte und Träume vieler erzählten die Appenzeller Philippe Büchel und Samuel Weishaupt in erfrischendem und humorvollem Dialekt von ihrer abenteuerlichen Reise. Obwohl sie bei der Berichterstattung chronologisch vorgingen, wurde es nie langweilig, weil eben die ganze Reise nicht langweilig war, sondern gespickt mit Begegnungen, Hindernissen und Abenteuern. 

 

Die meisten Menschen würden so eine Weltreise ja gerne selber einmal erleben, werden es aber aus verschiedenen Gründen eher nicht schaffen: Da ist die Ausbildung, da sind die Kinder, man hat diese und jene Verpflichtungen und kann sich nicht einfach mal eben für sechs Jahre aus dem Alltag ausklinken, ganz zu schweigen vom nötigen Kleingeld....... Man würde ja so gerne auch einmal! Dieser Wunsch war in der Pause mehrfach im sehr gut gefüllten Mehrzwecksaal zu hören.  

 

So erlebten die Zuschauer die Reise am Freitag virtuell mit Fotos und Filmausschnitten auf der Grossleinwand. Sie fieberten mit, wenn zum Beispiel in Pakistan eine Wackelbrücke überquert werden musste, welche sich unter dem Gewicht des Landrovers bis wenige Zentimeter über den reissenden, breiten Fluss hinuntersenkte,  nahmen teil an interessanten Begegnungen, wo man sich mit Händen und Füssen verständigte und Gastfreundschaft genoss, ohne dass dafür Dankbarkeit erwartet wurde, staunten ob der Schönheit orientalischer Bauten, rochen förmlich die Düfte von Gewürzen und Speisen an farbenfrohen orientalischen Märkten und waren erleichtert, wenn es gelang, eine gefährliche Situation zu entschärfen. Sie mussten schmunzeln, wie es den Beiden gelang, in jugendlicher Unbekümmertheit diverse Polizisten um den Finger zu wickeln oder dass sie einmal mit einer Cumulus-Karte am Zoll durchkamen. 

 

Die zwei Freunde erlebten wirklich viel, aber vorher war jahrelange Planung nötig. Zuerst musste ein geeignetes , nicht zu teures Fahrzeug gefunden werden. Diesen Land Rover mit Jahrgang 1984 galt es für das Vorhaben aufzurüsten. Der Benzinmotor wurde auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt. Ein zweiter Gasmotor wurde sicherheitshalber auch noch eingebaut, ebenso einbruchsichere Kunststofffenster. Schlafplätze, Dokumentationsmaterial, Werkzeuge, Kabel, viel Elektronik und ein Kühlschrank kamen dazu, bis das Gefährt schliesslich etwa doppelt soviel wog wie normal. Die Planung war so anstrengend, dass sich die zwei Weltenbummler schon im Tirol einen Wellnesshalt gönnten! 

 

Wer aber denkt, es sei nachher eine reine Ferientour gewesen, wurde eines Besseren belehrt. Detailplanungen, Essen besorgen, Essen kochen, putzen, flicken, Benzin holen, Visa für 58 Länder organisieren und die Reise dokumentieren ergaben im Schnitt gut achtstündige Arbeitstage und die jungen Männer erlebten sowohl persönlich als auch geografisch alle Höhen und Tiefen auf ihrer 1326 Tage langen Reise mit dem bunt bemalten Fahrzeug durch Afrika, den Nahen Osten, Südostasien, Indonesien, wo sie an Schulen Vorträge zu Aufforstungsprojekten hielten, Australien, wo sie länger blieben, um Geld zu verdienen und einen Anhänger zu bauen und Amerika. 

 

Rosi Roeschli für WuK 

    Einmal um die Welt – 26. Oktober 2012