Jan Rutishauser trat letzten Freitagabend als erster Künstler des diesjährigen WuK-Programmes mit seinem Stück «Gepflegte Langeweile» im Neuhaussaal auf. 

Zur Begrüssung wird das Publikum mit wichtigen und weniger wichtigen Fragen eingedeckt. Jan Rutishauser geht sofort auf die Anwesenden ein, fragt nach Namen, dem Wohlfühlfaktor, der Erwartungshaltung. Er pflegt diese Kontakte während der ganzen Aufführung und schafft damit eine ungezwungene Stimmung. Der sympathische und quirlige Kabarettist startet in akzentfreiem Hochdeutsch sein Programm. Wie bitte? Jan Rutishauser ist Deutscher, kein Thurgauer? Einige Sätze später spricht er dann doch waschechten Thurgauer Dialekt. Er ist fast um die Ecke aufgewachsen. Von der Thurgauer Zeitung wurde er zweimal zu den 100 wichtigsten Persönlichkeiten im Thurgau gewählt. Auf die Frage, weshalb er hier nicht Schweizerdeutsch sondern Hochdeutsch spreche, ist seine Antwort: weil ich es kann. Dass er „es“ kann, beweist er brillant und wortgewaltig während des ganzen Abends. Er treibts bunt und virtuos auf der Bühne, bringt die Leute zum Lachen zum Beispiel mit seinen Fragen des Lebens und seinen Antworten dazu wie das Ende einer Beziehung und den Neuanfang als Single wieder bei den Eltern. Er spielt auf der Gitarre, singt „defekte Liebeslieder“, liest Texte und trägt  Tiergedichte vor. Die Gedichte und Lieder sind oft ganz kurz, werden schnell vorgetragen, spielen mit Worten, stecken voller Witz und feinsinnigem Humor. Die  Zuschauer müssen gut aufpassen, dass sie keine einzige der Pointen verpassen. Das Publikum verbrachte mit Jan Rutishauser einen gepflegten vergnüglichen Abend mit keiner einzigen langweiligen Minute. Es dankte ihm mit langanhaltendem Applaus und bekam noch eine grossartige Zugabe. Solch gepflegte Langeweile ist unterhaltsam und lässt man sich gerne gefallen. 

 

WuK - Wängi und Kultur 

Kathrin Schoch 

Jan Rutishauser – «Gepflegte Langeweile» – 22. März 2019